Neuer Ausweis in der Stadtbücherei

Ich war an sich mit meinem alten Büchereiausweis immer ganz zufrieden. Ich konnte mit ihm nach Herzenslust Medien in der Stadtbücherei entleihen, und das reichte mir.
Als ich heute wieder etwas entlieh, fragte mich die ebenso nette wie hübsche Diensthabende:
„Haben Sie schon den neuen Ausweis?“
Das mußte ich verneinen, und ich dachte zunächst, daß das nun irgendein besonderes Stück sein müsse, mit dem man mehr anfangen kann als mit dem alten.
Aber das ist offenbar nicht der Fall. Die überaus schnucklige und ebenso nette Dame – erwähnte ich diese Eigenschaften schon? – klärte mich darüber auf, daß mein alter Ausweis noch bis zum 13. 6. gültig sei, danach aber nur noch der andere benutzt werden könne.
Die Frage, wozu es denn nun einen neuen Ausweis gebe, erübrigt sich, wenn man einen Blick auf den Ausweis wirft:
Auf der einen Seit des Ausweises ist fast nichts als Werbung für KielNet.
Im Zentrum steht dabei ein Foto eines glücklich telefonierenden Kleinkindes. Daneben der Slogan:
Wer viel liest, hat viel zu erzählen.
Wiederum Werbung auf hohem Niveau, das muß man den Leuten von KielNet lassen.
Andererseits:
Das Mädel, das da abgebildet ist, dürfte so um die fünf Jahre alt sein. Daß es viel liest, mag man also kaum glauben.
Gleichviel, das Ganze ist jedenfalls eine bedenkliche Entwicklung.
Werden vielleicht damnächst auch all die Werbeflächen am Eingang von Kleinanzeigen der Bürger und Hinweisen auf Kulturveranstaltungen freigeräumt, um Platz für die letzten Angebote von Lidl zu machen?
Ich bin dagegen.
Es ergibt sich da übrigens ein Problem, das vielleicht noch nicht alle durchdacht haben (und das ist vorsichtig ausgedrückt): Man ist ja, wenn man diesen Ausweis benutzt, nicht nur Ziel der Werbung, sondern man wirbt auch selbst. Man ist selbst Werbeträger, indem man – und das läßt sich ja nicht vermeiden – die Werbung auf dem Ausweis für andere sichtbar macht.
Und es wird zu prüfen sein, ob solche Werbung ohne Einwilligung des Kunden als Werbeträger legal ist.