Archiv für den Monat: September 2006

Männer kennen keinen Schmerz

Den ganzen Tag habe ich es gespürt. Mittags fing es leicht an zu drücken unter der Sohle, und wie ein Geschwür schien sie zu wachsen, die Blase. Ich kam während der Geschäftszeit aus den Schuhen nicht heraus, und so konnte sie sich entfalten und wachsen. Dabei hatte ich das Gefühl, umso mehr ich sie ignorierte, desto mehr baute sie sich auf. Aber ich bin ja nicht umsonst ein Mann – ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Obwohl… ein wenig tat es schon weh. Aber der Fuß wurde ein wenig verkantet, und so klappte es mit dem Laufen trotz dieser Einschränkung ziemlich gut. Es waren ja nur noch ein paar Stunden bis zum Feierabend, die ich die hämischen Bemerkungen meiner Kollegen ertragen musste. Was wussten die schon von Tapferkeit.
Der Heimweg gestaltete sich schwierig, weil durch die einseitige Belastung mittlerweile der ganze Fuß schmerzte. Zunächst überlegte ich, ein Taxi zu nehmen, entschloss mich aber dann doch, mit zusammengebissenen Zähnen an der Bushaltestelle auszuharren. Zu Hause angekommen fühlte mich deshalb zwar ein wenig angegriffen, aber ich war auch Stolz darauf, es geschafft zu haben.
Auf der Couch sitzend zog ich behutsam den Schuh aus, um den Fuß nicht noch mehr zu schädigen. Unter Vermeidung eines Blutstaus bettete ich ihn sodann auf einem Kissen, das ich zur Unterstützung seiner Ruhestellung auf den Wohnzimmertisch gelegt hatte. Ein wenig erschöpft lehnte ich mich dann zurück, um die nächsten sinnvollen Schritte zu durchdenken.
Die schwierigste Aufgabe war es wohl zunächst, den Strumpf vom Fuß zu entfernen. Ich könnte den Strumpf vom Fuß schneiden. Das könnte ich aber auch der fachlichen Kompetenz der Sprechstundenhilfe meines Hausarztes überlassen – oder sollte ich gleich sinnigerweise einen Chirurgen konsultieren?
Das Damoklesschwert einer Krankmeldung schwebte vor meinem geistigen Auge. Aber auch der gefährliche Weg, den es brauchte, dort hin zu kommen. Also entschloss ich mich zunächst zur Eigentherapie, so unvernünftig das auf den ersten Blick auch erscheint. Aber ein Indianer kennt ja keinen Schmerz.
Als ich die Socke vom Fuß zog, war ich mir der Gefahr bewusst, die Haut in Streifen abzuziehen. Doch wider Erwarten ließ der Strumpf sich schadlos entfernen. Etwas lindernd wirkte dann die Luft, die die Sohle frei umfächeln konnte. Ich konnte wieder ein wenig klarer denken.
Ein Blick auf die Wunde war wohl kaum möglich. Zunächst grauste es mich davor, und ich wollte Fuß und Bein durch das Heranziehen nicht noch über Gebühr beanspruchen und einen eventuellen Krampf riskieren. Der Schlafzimmerspiegel war eine gute Idee. Ganz vorsichtig stand ich deshalb auf, hinkend bewegte ich mich zum Schrank im Flur, in dem ich das Bügelbrett wußte. Dieses benutzte ich dann als Krücke, um den Weg ins Schlafzimmer bewältigen zu können, wo ich mich dann langsam auf das Bett gleiten ließ. Lang ausgestreckt quälte ich mich in eine Position, aus der ich die Unterseite des Fußes in der Spiegeltür des Schlafzimmerschrankes betrachten könnte.
Auweia! Was für’n großes Ding. Weltrekord wahrscheinlich. Verwunderlich, dass ich damit überhaupt noch in der Lage gewesen war, mich fort zu bewegen.
Was sollte ich nur tun? Laut um Hilfe rufen? Mit meiner Mutter telefonieren? Nee, die würde wieder versuchen, mich mit Fencheltee und geriebenem Apfel zu kurieren. Eine Freundin oder einen Freund mit meiner Verwundung belasten? Meine Geschwister in Angst und Schrecken versetzen?
Nein, es würde nichts nützen, mein Leid auf andere zu übertragen. Ich würde da wohl selbst durch müssen. Es würde zwar entsetzlich, das alles allein durchzustehen, doch auch dieses Opfer wollte ich gerne noch bringen für die Menschen, die ich liebte. Solcherart zum Märtyrer erhoben gewann ich wieder ein wenig Kraft, die nächsten Schritte zu bedenken.
Aufstechen war der nächste Gedanke. Doch das Risiko einer Blutvergiftung schien mir unangemessen hoch. Aber auch ein unbehandeltes Dahinsiechen schien nicht dir richtige Lösung zu sein.
Ein Fußbad, für dessen Vorbereitung ich fast zwei Stunden brauchte, verschaffte ein wenig Linderung. Während der zwölfeinhalb Minuten in handwarmem Wasser, die ich dem Fuß gönnte, schnitt ich ein Bettlaken in breite Streifen, um mir selbst Verbände anlegen zu können. Danach tupfte ich den Fuß vorsichtig ab, ließ den Rest an der Luft trocknen, und trotz des wilden Schmerzes, der brennend meinen ganzen Körper zu durchtosen schien, schaffte ich es, ein wenig Salbe auf der Verwundung aufzutragen. Dann wechselte ich das T-Shirt, das völlig durchgeschwitzt war.
Es gestaltete sich ziemlich schwierig, die Lakenlappen ohne fremde Hilfe um den Fuß zu schlingen. So war es schon weit nach Mitternacht, als ich endlich mit Hilfe meines Bügelbretts ins Schlafzimmer wanken konnte, um wohlverdiente, heilsame Ruhe zu finden. Starke Schmerztabletten sollten mir dabei helfen.
Als ich erwachte, horchte ich in mich hinein, ob ich ein Brennen im Bein verspüren würde. Nein. Und auch bei näherer Untersuchung zeigte sich kein roter Streifen, der sich an ihm hinaufzog. Ein tiefer Seufzer löste sich aus meiner Brust. Ich hatte überlebt!
Der Blick über den Spiegel zeigte, dass diese Riesenblase, dich mich gestern noch schier auffressen wollte, sich zu einem schlaffen Hautlappen zurück gebildet hatte. Ich stand auf und versuchte die ersten Schritte – erst mit, dann sogar ohne Bügelbrett. Ohauehaueha, ich konnte wieder gehen! Wenn auch nur eingeschränkt, da der ganze Fuß noch schmerzte, doch wurde ich so zuversichtlich, selbst den Weg zur Arbeitsstätte bewältigen zu können.
Den Gedanken einer Sandale am unbedeckten, rekonvaleszenten Fuß gab ich schnell auf, draußen hatte es geschneit. Also die weichsten Socken herausgesucht und die weitesten Schuhe, dich ich hatte.
Im Büro angekommen fiel es natürlich sofort auf, wie schleppend ich den Fuß hinterher zog. Doch auf die teilnahmsvollen Fragen meiner Kollegen erwähnte ich nur eine kleine Blase, ohne etwas von meinem Leidensweg zu erzählen. Schließlich: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Es tat mir wohl, so tapfer gewesen zu sein.
Hoffentlich hielt das Schicksal nicht noch einen Rückfall für mich in petto.

Oktoberfest in der Halle 400

Bayerisch geht es am Wochenende in der Halle 400 zu. Hoffentlich gibt es da dann auch die entsprechenden Biere:
In München gibt es nämlich beim Oktberfest nicht Pilsener und auch keine Weißbiere, sondern würzige, malzige, relativ starke untergärige Gerstensäfte, die Märzen genannt werden.
Aber Stimmung käme auch bei Pilsenern auf?
Ja, das mag sein.
Aber ich muß ja immer Neues probieren!

The Sentinel in der Brücke

Das Brücke-Kino ist etwas für den schmalen Geldbeutel bzw. für die, die sich zu spät entschließen, einen Film zu sehen, um ihn noch in den aktuellen Kinos sehen zu können.
Zwar hat es vor einiger Zeit eine Preiserhöhung gegeben, aber unterm Strich kostet die Karte dort nur ungefähr ein Drittel von dem, was man in den aktuellen Kinos bezahlen muß.
Aber auch diesen geringen Betrag kann man sich im Fall des in dieser Woche in der Brücke laufenden Films The Sentinel sparen.
Drehbuch und Inszenierung sind schwach, Hauptdarsteller Michael Douglas, der früher groß war, ist nur noch ein Schatten seiner selbst und Desperate Housewive Eva Longoria wird nur als Blickfang eingesetzt: Ihre Rolle ist zwar recht groß, aber sie ist keine tragende. Wenn man diese Figur fortließe, würde sich nichts Wesentliches ändern.
Also: Leider war es für mich Zeitverschwendung, den Film damals im Cinemaxx zu sehen. Die Zeit, die ich vergeudet habe, könnt ihr jetzt sparen.

Das Tagebuch der Anne Frank im Klaiber Studio des Opernhauses

Am 29. September um 17.00 Uhr.
Anne Franks Tagebuch, das man nicht so blöde hochtrabend „Das Tagebuch der Anne Frank“ nennen sollte, ist eines der wichtigsten Bücher des Zwanzigsten Jahrhunderts.
Kein Mensch, der ein Herz hat, dem es nicht an dieses ginge.
Keiner, der das Gelesene jemals vergessen könnte.
Keiner, der ein Foto der lächelnden Anne Frank ansehen könnte, ohne eine Träne zu verdrücken.
Schon aufgrund der Vitalität der Verfasserin ist dieses Buch vor dem Hintergrund des Wissens um das Folgende so schockierend.
Aber nun möchte ich sinngemäß aus einem Roman des genialen jüdisch-amerikanischen Schriftstellers Kinky Friedman zitieren.
Dort sagt eine der handelnden Personen:
„Ich habe neulich eine Dramatisierung des Tagebuchs Anne Franks gesehen, und es war scheußlich. Die Darsteller waren grausam schlecht. Als schließlich die Deutschen reinmarschiert kamen, riefen die Zuschauer dauernd;
´Sie ist auf dem Dachboden!´“

Da hört der Spaß auf?
Das sehe ich nicht so. Friedman wollte sich hier schließlich nicht über das Schicksal Anne Franks lustig machen. Das kann doch nur der Verbohrteste annehmen.
Vielmehr weist Friedman hier unter anderem darauf hin, daß das gut Gemeinte in diesem Fall seine angestrebte Wirkung verfehlt, vielleicht verfehlen muß.
Denn nur in seiner ursprünglichen Form macht das Werk den Eindruck, der es eben auch berühmt gemacht hat.
Was immer also im Opernhaus realisiert wird: Es kann einen einfachen Lektürehinweis nicht übertreffen, nicht einmal erreichen.

Erkenntnis am Kleinen Kiel

Neulich wartete ich an der Haltestelle Lorenzendamm (Richtung HBF) auf den Bus. Es war sehr windig, und auf der Bank im Wartehäuschen saßen ein junger Mann und eine junge Frau.
Auf einmal fragte der Mann:
„Seit wann bewegen sich denn diese Dinger da auf dem Wasser?“
Er meinte die kantigen, eisenfarbigen Gegenstände auf der Oberfläche des Kleinen Kiels.
Und das Mädel antwortete:
Vielleicht seit das Bojen sind?!“
Und das sagte sie natürlich in spöttischem Ton.
Tja, die Dame war eben doch ein wenig heller als ihr Begleiter, der offenbar meinte:
Wenn die Dinger aus Metall sind, dann müssen sie wohl am Boden des kleinen Kiels mittels Stangen fixiert sein, sonst würden sie ja untergehen. Und wenn man das denkt, dann kann man in der Tat nicht verstehen, warum sich die Dinger bei Wind bewegen.
So verdanke ich diesem Menschen eine neue Erkenntnis über männliche Logik.

Der Silberbär im CAP

Im CAP ist für unser aller Sicherheit gesorgt. Dafür bürgt schon der livrierte bärige Mann mit dem silbrigen Schopf.
Wißt Ihr, wen ich meine?
Er steht da immer in der Gegend wie ein Fels in der Brandung, ist stets freundlich, hat die Ruhe weg – aber man darf sicher sein: Wenn es drauf ankommt, dann ist er zu allem entschlossen, um die Ruhe wiederherzustellen.
Und nicht nur entschlossen, sondern auch fähig: Seht Euch doch bloß mal dieses breite Kreuz an.
Unter den Männern Kiels gehört er sicher zu den attraktivsten (aber mir ist er dann doch ein bißchen zu alt – trotzdem ein Hingucker).

Achim Reichel und Band im Schloß

Am 27. September ab 20.00 Uhr rockt Achim Reichel das Schloß.
Achim Reichel – man nennt ihn eine Legende.
In den Sechzigern begann seine Karriere, als er Mitglied der Rattles war:
Das war seinerzeit die populärste deutsche Beat-Band, aber ihr epigonaler Rumpelsound ließ wenig Gutes für die Folgezeit erwarten.
Doch Nordlicht Reichel zeigte sich solo ganz anders. In den siebziger Jahren machte er zunächst experimentelle, von Indischem beeinflußte Musik. Dann widmete er sich den Shanties und anderen Seemannsliedern und vertonte Gedichte. Ein groovender, rockender Boogie wurde z. B. aus Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“.
Zwei Alben der Achtziger verbinden die Musik Reichels mit den Texten des inzwischen verstorbenen Dichters Jörg Fauser: Dunkle Großstadt-Impressionen sind das, mit einer etwas abgestandenen Vorliebe für Randexistenzen. „Der Spieler“ war Reichels Hit aus jener Zeit. Auch danach blieb dieser hochsympathische Musiker am Ball:
„Kreuzworträtsel“, „Steaks und Bier und Zigaretten“, „Auf der Rolltreppe im Kaufhaus“ waren Erfolge Reichels in den Neunzigern, und vor allem letztgenannter zeigt den Mann als bedeutenden Stilisten.
Heute sieht man ihm an, daß er viel erlebt hat, und dennoch wirkt er immer noch vitaler als die weitaus meisten anderen seiner Generation, ohne sich dabei so zwanghaft jugendlich zu geben wie z. B. Mick Jagger.
Das Konzert im Schloß könnte einer der kulturellen Höhepunkte des Jahres in unserer Stadt werden.

Jan Delay im MAX

Am 21. September war Jan Delay im MAX, und ich war nicht da, weil außerhalb Kiels unterwegs.
Erst Frust ohne Ende, dann tröstete ich mich damit, daß mir Studioalben doch schon immer besser gefallen haben als Live-Alben und -Auftritte.
Dennoch, diesen kauzigen, nöhlenden Könner hätte ich doch zu gern mal gesehen.
Vielleicht war ja der eine oder andere von Euch da und mag hier was dazu schreiben.

Hurricanes siegen – Kiel jubelt

30:0 in Düsseldorf – und der Aufstieg in die Erste Football-Bundesliga ist für die Baltic Hurricanes zum Greifen nahe.
Das wäre doch was, wenn unsere Football-Mannschaft UND unser Tußball-Team in EINEM Jahr aufsteigen.
Gut, Holstein ist im Moment weit von einem Aufstiegsplatz entfernt, aber das wird noch.
Und in diesem Jahr, in dem Holstein und die Hurricanes aufsteigen, wird dann auch noch der THW Meister – Kiel entwickelt sich zu einer Sportmetropole.

Kieler Anzeiger – das Stadtmagazin für die ältere Generation

Und nun blättere ich auch noch den Kieler Anzeiger durch, das Stadtmagazin für Rentner und Pensionäre. So nennt es sich zwar nicht, aber die Betulichkeit der Beiträge und die Anzeigenstruktur lassen keinen anderen Schluß zu.
Weswegen ich das erwähne:
Da gibt es einen unfreiwilligen Witz, den ich Euch nicht vorenthalten will. Eine Überschrift in der September-Ausgabe dieses Blatts lautet: „Trendsportarten im Kommen“
Gut, nicht?
Also bitte, für den Fall, daß ein Mitarbeiter der Postille dies liest: Trendsportarten nennt man so, WEIL sie im Kommen sind.

Wer will seine Knochendichte wissen?

Wie ich gerade einer Anzeige entnehme, kann man in der Apotheke in der Holstenstraße 114 a täglich sein Knochendichte messen lassen.
Na, warum nicht. Im Moment weiß ich zwar nicht, wozu daß dient, aber da kann man sich ja schlau machen.
Ich weiß auch nicht, welche Knochendichte bei Menschen ideal wäre oder ob es da überhaupt einen Idealwert gibt. Ich kenne nur die Knochendichte eines Kraken. Die liegt bei null, weil ein Krake eben keine Knochen hat. Aber wir wollen mal nicht so albern sein.
Ich wollte ja nur darauf hinweisen, daß diese Apotheke auch Vorträge anbietet:
Da lief z. B. in diesem Monat etwas über „Wechseljahre und Frauengesundheit“.
Frauengesundheit!
Was soll das denn sein?
Wenn es auch frauenspezifische Krankheiten gibt – Frauengesundheit klingt doch gar zu bekloppt. Gibt es auch Lehrergesundheit, Leptosomengesundheit, Sozialdemokratengesundheit, Erbsenzählergesundheit?
Die Messung der Knochendichte kostet übrigens 12 Euro.
Also nein, dann lieber doch nicht.

Hört sich gut an?

„Hört sich gut an“
Das ist der Name eines Geschäfts für alles, was es so gibt an Gerätschaften, die Tonträger ans Laufen bringen.
Und in diesem gemütlichen Laden in der Hermann-Weigmann-Straße 12 ist man tatsächlich gut beraten – man sollte sich nicht scheuen, laienhafte Fragen zu stellen. Da lacht keiner oder verdreht die Augen oder guckt auch nur spöttisch oder herablasend. Man kann ja dann noch eine weitere Frage anschließen.
Etwa so:
„Der Name Ihres Geschäftes klingt ja erstmal originell. Mal was anderes. Aber warum so umständlich? Warum nicht einfach ´Klingt gut´?
Aber das habe ich dann doch nicht gefragt.

Station gelesen

So, nun habe ich mal die noch aktuelle Ausgabe dieses Stadtmagazins durchgeschaut, weil sie bei mir halt gerade mal so rumlag und ich nicht viel besseres zu tun hatte.
Sogar Hinweise auf Musik gibt es da. Aber WIE da hingewiesen wird. Ich zitiere:
„Also, Rebekka Bakken, auch schon mal von mir rezensiert, nennt ihr aktuelles Album „I keep my cool“ (Universal) …
Wertung: Zwei Daumen und sechs Finger (ich empfehle unbedingt zusätzlich den Konzertbesuch in Anspruch zu nehmen).“

Da, wo ich die Auslassungspunkte gesetzt habe, stehen lediglich Konzerttermine der Künstlerin in Norddeutschland, ich habe also nichts wesentliches weggelassen.
Und was ist das Zitierte nun?
Soll das eine Rezension sein?
Wenn man nichts zu sagen hat, wozu braucht man dann das, was man trotz des Werbecharakters des Ganzen „redaktionellen Teil“ nennt?
Diese Stadtmagazine sollten sich auf das beschränken, was sie eigentlich sind: Veranstaltungkalender eben.

Das Auge als Mitesser

Gerade erfuhr ich, daß es ein Restaurant gibt, das Pupille heißt. In der Saarbrückenstraße 34.
Warum ein Restaurant so heißt, könnte man sich fragen.
Und man antwortet sich: weil das Auge mitißt.
Und unsofern ist der Name doch klug gewählt. Dann könnten die Speisen ja auch schmackhaft sein.

Cello solo

Es gibt Menschen, in diesem Falle die einen Umzug von Hollywood nach Quickborn nicht scheuen, damit sie uns Kieler mit ihrer Kunst beglücken können. Und da für uns der Aufwand nicht halb so groß ist, wäre es doch gar nicht schlecht, wir würden uns am Sonnabend, d. 30.9. um 19 Uhr in der Andreaskirche in Kiel-Wellingdorf versammeln, um uns einmal davon zu überzeugen, daß es anscheinend wirklich möglich ist, u.a.Ysaye-Solosonaten in der O-Tonart für Geige auf dem Cello zu spielen, als wäre es nix.
info at: www.david-shamban.com

It´s never too dark to be cool

Unter diesem Motto gibt es am 30. September „70´s Club &House Classics“.
Im After Dark, Legienstraße 22.
Was soll das denn sein?
In den Siebzigern gab es Soul, Funk, Disco.
Und es gab sicher auch den einen oder anderen Club. Aber House – das gab es noch nicht.
Was erwartet uns also?
Klassiker des Nichts?

Night de Brasil im Holsteiner

Am 30.9. geht das um 22.00 Uhr los, und wir sind für lumpige 4 € dabei.
Vielleicht hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, daß die brasilianische Musik großartig ist, daß sie nicht nur musikalisches „Ambiente“ (übles Wort) oder Tanzmusik ist, sondern daß sie mitunter traumhaft schön ist.
Ich will ja nicht predigen.
Hoffentlich wird DJ „BigBen“ der Sache gerecht.

Holsteiner: Westring 501

Mexikanisch wird es in der Max-Disco

Am 30. 9. um 21.00 Uhr.
Emilio´s Tequila-Club nennt sich das.
Und angeblich gehen dort die hottest Gogo-Babes in town ihrer gewiß enervierenden, wofern nicht gar noch demütigenden Arbeit nach.
Aber gibt es anderswo in unserer Stadt nicht noch hottere?
Jedenfalls ist das vergleichende Werbung.
Aber die ist ja jetzt längst erlaubt, oder wie war das?

Aber wie nennt die Max-Disco das Ganze?
„A Maxdisco Dusk till Dawn Presentation“.
Eine deutliche, ja plumpe Anspielung auf einen Film des genialen Robert Rodriguez, der größerenteils in Mexiko spielt: „From Dusk till Dawn“ eben.
In diesem Film aber gibt es am Ende nur wenige Überlebende. Wenn das nicht auch hier vorgesehen ist, dann fragt man sich: Was soll dieser Slogan?
In dem Film übrigens verwandeln sich ohnehin schon formidable Gogo-Girls in noch formidablere Vampire.
Auch diese Aussicht ist nicht verlockend.

Atrium – obszön

Also, haltet mich nicht für prüde, aber dieses Atrium in der Dieselstraße 3 – nee!
Da gibt es eine Poppnacht und was nicht alles.
Das ist doch der Gipfel der Obszönität!
Hoffentlich.
Mit „hoffentlich“ meine ich natürlich nicht, daß ich das gutheiße, sondern vielmehr, daß ich hoffe, daß es nicht noch höhere Höhen der Obszönität gibt.

Condomi im Sophienhof

Kondome – lebenserhaltend und lebensverhindernd.
Sicher, wenn richtig angewandt (einfach genau die Gebrauchsanweisung lesen, wenn man es noch nicht getan hat).
Aber was ich noch nicht wußte und erst im Condomi im Sophienhof erfuhr:
Es gibt auch Kondome, die enger und solche, die weiter sind als die Standardgröße. Hätte nicht gedacht, daß das nötig ist, denn es ist doch Latex und paßt sich den unterschiedlichen Breiten an.
(Na ja, aber wenns gar zu sehr abweicht!)
Außerdem habe ich dort ein neues Wort gelernt:
Genöppelt!
Nicht genoppt, sondern genöppelt. Jawoll.
Die Noppen sind aber auch sehr klein.

Und schaut man sich die Kundschaft genau an, und hat man ein wenig Menschenkenntnis, dann weiß man im vorhinein, welche Typen die extra reißfesten kaufen.

Begemann kommt

Ins Weltruf!
Am 27.9. um 21.00 Uhr.
Früher war er mal bei der Band Die Antwort.
Sieht gut aus.
Hat eine Stimme, die einem auf die Nüsse ghet, die aber Frauenherzen zum Schmelzen bringt.
Hält sich für einen Intellektuellen.

Na, wer´s braucht.

Fischers Fritz

So nennt sich das Restaurant im Hotel Birke (Martenshofweg 2-8).
Und so stellt es sich selbst dar:
Fischers Fritz serviert
fangfrischen Fisch,
fangfrischen Fisch
serviert Fischers Fritz.

Esst mehr Fisch,
rettet die Rinder!“

Originell ist das nicht.
Und die Speisen sind dementsprechend.

Honeymuch Blues

So nennt sich die Formation, die am 28. September im Jazz-Cafe ihren Auftritt hat.
Funky und jazzy lädt sie zum Abhotten und Relaxen ein, wie man so sagt.
Und wenn man nichts Großes erwartet, dann ist man gut bedient.

Muschelwoche am Kieler Bootshafen

Das klingt doch schon mal gut:
„Muschelwoche am Kieler Bootshafen“
So heißt es in einer Anzeige. Und weiter:
„- Maritimes Ambiente mit Live-Musik im beheizten Zelt
– Tischreservierung 0431/9066260 …
– Öffnungszeiten: Täglich 12.00 bis 23.00 Uhr“
Und diese Muschelwoche dauert vom 29. September bis zum 8. Oktober.
Klingt doch gut, oder?
Ich muß gestehen, daß ich Muscheln bislang nur als Dosen-Food kenne,
Bin also mächtig gespannt.
(Hoffentlich ist die Live-Musik nicht gar zu seicht.)
Übrigens habe ich schon mehrfach gehört, daß zu Muscheln bestens Stout- und Porterbiere passen (also z. B. Guinness, aber es gibt wesentlich bessere Stouts).
Dann wäre es doch eine gute Idee, wenn man dort eben auch solche Biere anböte.
Aber werden die das machen?
Ich könnte fast wetten, daß nicht.
Na ja, dann trinke ich eben Wasser.
Was nun aber die Berührungsängste mancher, bezogen auf Muscheln, betrifft:
Dafür gibt es ja wohl zwei Gründe:
1. Die sehen halt so glibberig aus. Das mögen halt manche nicht sehen.
2. Irgendwas, so sagen einige, sei immer damit, und dann laufe man grün an, und schließlich öffne der Körper seine Schleusen – das Badezimmer werde für eine Woche zum Wohnzimmer.
Oder anders gesagt: Auf eine Muschelwoche folge eine Kotzwoche.Aber ist dem tatsächlich so?
Erwähnte Dosenmuscheln hatten bei mir nie diese Wirkung. Außerdem hat mir auch nie ein Bekannter erzählt, daß ihn dieses Schicksal ereilt hätte.
Außerdem sage ich mir:
In 99,9% der Fälle ist doch das, was gut schmeckt, auch bekömmlich, solange man sich nicht überfrißt.
Also sehe ich da keine Gefahr.
Daher sollte man da ruhig mal aufkreuzen, wenn man keine Muschelphobie hat.

San Remo am Dreiecksplatz 8

Ob man da hin muß?
Na, es ist immer noch besser als mit nem schmutzigen Stock aufs Auge, wie man so sagt.
Und das Preis-Leistungsverhältnis?
Kommt drauf an.
Unter bestimmten Umständen ist es gut:
Das Sonntagsbrunch beginnt um 10 – da sollte man halt auch um 10 kommen. Zur Begrüßung gibt es übrigens ein Glas Prosecco.
Und dieses Brunch endet um 14.30.
Das Ganze kostet 9,90 €.
Und man darf soviel zu sich nehmen, wie man will.
Da heißt:
Man kann um 10 erstmal frühstücken, dann ein Päuschen einlegen und sich schließlich um eins/halbzwei daran machen, Mittag zu essen. Dann lohnt es sich.
Zumindest wenn man die erzürmten Blicke der Belegschaft ertragen kann.

Martins Weindepot wirbt!

Da werbe ich doch mal eben mit.
Dieses Geschäft befindet sich in der Holtenauer Straße (126). Und was es da so alles gibt, das kann sich sehen lassen.
Eben nicht nur Wein, sondern auch Biere, die man in Kiel sonst nicht bekommt.
Und besonders stolz ist man dort auf seine Whisky-Auswahl.
Beworben wird jetzt in einer Anzeige
Bunnahabhain 12 Jahre.
Und zwar so:

“ Dieser Isley Single Malt ist anders. Die Torfnasen müssen sich auf einen wesentlich subtileren Whisky einstellen. Seine helle, goldene Farbe zeigt schon eine gewisse Leichtigkeit. Der Verkoster lässt sich in der Nase schon auf eine frische, aromatische Erfahrung ein, die auch von rauchigen Nuancen begleitet wird. Mit fruchtigen und nussigen Aromen startet der Körper, wird malzig süß, um dann vollmundig und anhaltend zu enden.“

Das mußte ich jetzt mal wiedergeben, weil manche Kiel-Blog-Leser sicher nicht damit vertraut sind, wie Weine, Whiskys usw. von Experten beschrieben werden.
Sicher, es ist leicht, sich über die Wortwahl lustig zu machen, und es wäre wirklich einiges daran zu kritisieren, aber das lassen wir hier mal lieber.
Entscheidend ist, daß der Verfasser sensorisch gebildet ist und eben auch fähig zu urteilen.
Da muß ich Euch doch wirklich mal ins Gewissen reden: Viele von Euch sagen doch, wenn sie einen Whisky probieren, bloß:
„Schmeckt mir!“ oder eben „Schmeckt nicht!“
Das Zitat aus der Anzeige aber sollte Euch klar vor Augen führen, daß es leohnt, genau hinzuschmecken und zu versuchen, was man wahrnimmt, auf konkrete und abstrakte Begriffe zu bringen.
Aber ich predige vielleicht zuviel (ich meine es doch nur gut!).

Und wie ist die Bedienung so da?
Na ja, gemischt.
Am freundlichsten sind die studentischen Hiwis.
Was die anderen betrifft:
Einer war ganz ausnehmend freundlich zu mir, als ich eine Beerenauslese für 60 € erstand.
Ein anders mal kaufte ich ein paar Bier für fünf €, und von Freundlichkeit war bei ihm kaum mehr eine Spur.
Mann, ist das kurzsichtig!
So wird man Kunden los.
Wenn auch mich noch nicht, und so machte ich mit einem andern Mitarbeiter dort noch eine bemerkenswerte Erfahrung:
Ich wies ihn auf eine Flasche Cider hin und fragt:
Ist der trocken?“, denn auf dem Etikett stand das nicht.
Und seine Antwort war:
„Das ist ein Cider.“
Tja, das werden wohl schon mal Kunden verwechselt haben, weil dieser Cider dicht bei den Bieren stand – deshalb sagte er das.
Aber es ist doch an sich selbstverständlich, daß man einem Kunden zuhört, wenn er eine Frage stellt.
Und es ist leider typisch hierzulande, daß eben das nicht geschieht.
Den Vogel in dieser Hinsicht schoß vor Jahren mal ein Mitarbeiter bei Hohwü ab, und es ging auch da um Apfelwein.
Ich war so naiv, es zumindest für möglich zu halten, daß er was davon verstehe, und fühlte ihm ungefähr folgendermaßen auf den Zahn:
„Sie haben ja hier schönen, frischen Cidre in trockener und lieblicher Ausführung.
Was ich mich aber frage, ist, ob es beim Cidre wie beim Wein Spitzenqualitäten gibt.
Kann also ein Cidre subtil sein, Finesse haben, komplex sein?
Gibt es Cidres, die man zurecht als Geschmackskompositionen bezeichnen kann?
Oder ist das im Bereich der Cidres nicht möglich?“
Und er antwortete tatsächlich:
„Wir haben hier den trockenen und den lieblichen.“
Das war seine Antwort.
Wahr und wahrhaftig.
Fast wie bei Beavis and Butthead. Die jobben in einer Folge der Serie in einem Fast-Food-Restaurant , und ein Kunde fragt:
„Are your milkshakes made of icecream and milk or do you use that reconstituted shake mix stuff?“
Da antwortet Butthead:
„We got vanilla, chocolate and strawberry.“

Aber wie gesagt, das Angebot in Martins Weindepot, das ist schon was.
Es gibt in Kiel nix besseres.

Ach Gott, Herr Kramer!

Klaus Kramer hat mal wieder einen Kommentar geschrieben. Diesmal zu Köhlers bildungspolitischer Rede (Kieler Nachrichten vom 22. September).
Darin versucht Kramer zumindest dazu beizutragen, den Bundespräsidenten als weisen Patriarchen zu reinstallieren.
Denn das war ja die Rollenverteilung (bevor die Christdemokraten Köhlers Vorgänger Rau ans Bein zu pinkeln begannen): Den Politikern sei nicht zu trauen, aber der Bundespräsident sei weise und gütig.
Unfreiwillig stellte sich ausgerechnet die CDU in den Dienst der Aufklärung, als sie da nicht mehr mitspielen wollte.
Zurück zu Kramers Artikel:

„Und wenn auf der Speisekarte des Stammtisches das Thema Bildung steht, dann wird gegen die Politiker im Allgemeinen und gegen die stinkfaulen Lehrer im Speziellen vom Leder gezogen.“

Das ist mal wieder großer Unsinn, Kramer!
Sie meinen vermutlich, gegen die Lehrer gehe es noch heftiger zur Sache als gegen die Politiker.
Was Sie aber sagen ist, daß Lehrer Politiker seien.
Wie, das verstehen Sie nicht?

x im allgemeinen, y im besonderen

beinhaltet:
y ist Teilmenge von x.
Das ist doch wirklich einfach.

Kramer (nun verwende ich auf einmal wieder die Dritte Person) weiter:

„Wenigstens die Politiker wehren sich gegen solche Vorwürfe in der Regel nicht, weil darin ja ein wahrer Kern steckt …“

Nein, ein Kern pflegt nicht zu stecken, aber das wird man ihm nicht erklären können.
Und wieder Kramer:

„Es kann nicht angehen, dass Lehrer immer stärker zu Ersatzeltern werden, weil diese ihre Erziehungsprobleme nicht mehr in den Griff bekommen.“

„Diese“ bezieht sich auf „Ersatzeltern“.
Es soll sich aber auf die wirklichen Eltern beziehen.
Wieder weiß Kramer nicht, wass er sagt.