Archiv für den Monat: Juli 2006

Schöne Stellen in Kiel: Der neue Bootshafen

Es gibt da ein wenig Wasser in der Kieler Innenstadt, ganz in der Nähe der Förde, zwischen C&A, Woolworth und dem LEIK – den alten Bootshafen.
Ganz alte Kieler werden sich daran erinnern, dass früher eine Seilbahn den Karstadt im LEIK mit dem Parkhaus auf der anderen Strassenseite verbunden hat, wer nicht ganz so lange zurückdenkt (denken kann) erinnert sich aber noch daran, dass dieser künstlich angelegte, von häßlichem, nackten Beton vor allem ein Schandfleck in der Innenstadt war, voller Müll und Vogelfedern.

Seit einigen Jahren sieht es an dieser Stelle jedoch anders aus – ich werde nicht vergessen, wie ich das erste Mal in der späten Dämmerung mit dem Auto die Andreas-Gayk-Strasse entlang fuhr und es von den neu errichteten Stufen malerisch blau leuchtete.

Inzwischen hat sich BMW diesen Platz zur Kieler Woche angeeignet, um dort die Möglichkeit zu bieten, ein wenig von neuen Autos zu träumen (auch wenn der Stern bei mir von Platz 1 nicht wegzubekommen ist *g*) oder die genialen BMW-Kurzfilme bzw. gute Sangeskünstler zeigt, während man entspannt auf den beleuchteten Stufen sitzt, ein irgendwo gekauftes Produkt isst oder trinkt und sich einfach mal vom Gedrängel des Kieler Woche – Besuchs entspannt.

Kieler Bootshafen

Inzwischen sieht man auch tagsüber die Mitarbeiter der umliegenden Büros dort ihre Mittagspause verbringen, es gibt auch ein wenig Gastronomie ringsherum, eine Filiale der Campus Suite ist in Blickweite, ein paar Meter weiter auch ein Subway und der obligatorische McD ist auch nicht weit.

Ab ins Umland: Abendlicher Ausflug zum Stakendorfer Strand

Zur Zeit verwöhnt der Sommer die Landeshauptstadt ja mit großartigem Wetter – da kann auch der heutige Regenschauer die Freude nicht trüben.

Wen es nach einem kurzen Erholungsausflug nach der Arbeit raus ans Wasser treibt, dem empfehle ich, mal auf der „anderen Fördeseite“ vorbeizuschauen. Über die B 503 durch Schönberg hindurch ab zum Wasser, wo man nach 18 Uhr auch entspannt einen Parkplatz finden kann.

Und dann einfach mal den Deich hinunterlaufen, die frische Luft einatmen, vielleicht auch mal die Füße im Wasser baden und im weichen weißen Sand wieder „trockenlaufen“.

Highlight ist die „Fischecke“ in Stakendorf, ein paar Buden direkt am Deich, von Krabbenbrötchen über Dorsch bis zur Scholle findet man dort alles, was das Herz begehrt. Die Preise sind ebenfalls annehmbar, vor allem, wenn man sie in Relation zur Portionsgröße stellt. Zwei große panierte Schollen von erstklassiger Qualität, dazu eine Portion nicht-fett-triefende Bratkartoffeln für gerade mal 7 Eur, dazu ein frisch gezapftes Holsten und ab auf die Biertischbänke mit Blick aufs Wasser.
Hier kann man einfach mal die Seele baumeln lassen, fühlt sich wie im Urlaub und ist doch innerhalb von 20 min. wieder zu Hause in Kiel.

LOUF weg!

Die Nummer 2 der Reventlouallee beherbergt das (nach eigener Definition) Cafe + Bar und Restaurant LOUF.
Dieses wirbt für sich mit den Worten:
„Schlemmen in entspannter Atmosphäre –
mit Blick auf die Kieler Förde!“

Oder in entspannender Atmosphäre.
Ist man aber entspannt, dann hat man kein Bedürfnis mehr zu schlemmen. (denn „schlemmen“ ist ein beschönigendes Wort für Frustfresserei).
Außerdem:
Mit einem „Blick auf die Förde“ kann man doch keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken.

Pelzmoden! Mill! Reifenstein!

Ein Bummel durch die Dänische Straße ist schon interessant. Sind wir bei der Nummer 11 angelangt, dann beinden wir uns vor einem Pelzmodengeschäft.
Natürlich ist das nicht irgend eines und schon gar nicht eines für Kunstpelze, sondern eines, in dem man sogar Maßanfertigungen in Auftrag geben kann.
Das kommt für Euch nicht in die Tüte?
Warum?
Aus Geldgründen?
Aus moralischen Gründen?
Was mag es da wohl für moralische Gründe geben?
Daß dafür Tiere sterben müssen?
Das Argument darf doch wohl nur von Vegetarieren kommen.
Denn wir anderen lassen doch alle Tiere töten, um ihr Fleisch zu genießen.
Das Tragen von Pelzen ist zwar nicht lebensnotwendig, aber auch das ist kein Argument, denn der Genuß von Fleisch ist es auch nicht (wenn auch einige Ernährungswissenschaftler behaupten, Vegetarier litten unter gewissen Mangelerscheinungen).
„Aber die Frage ist doch: welche Tiere?“
könnten nun einige erwidern.
Schließlich ist ein Nerz eine durchaus höhere Lebensform als ein Rind, insofern er sich vom Diktat des Zwecks emanzipiert (will sagen: Auch erwachsene Nerze spielen und sind dabei sehr kreativ. Derlei wird man bei einem Rind nicht beobachten können.)
Aber andererseits: Wollen wir denn allen Nerzenn einen natürliuchen Tod in freier Natur zumuten?
Das wäre entweder gedankenlos oder teuflisch: Denn der natürliche Tod in freier Natur ist kein sanfter.
Das Tier, ds sich zum Sterben niederlegt, wird binnen kurzem von beißenden, stechenden Insekten übersät sein, und es kann sich auch dann kaum mehr wehren, wenn aasfressende Vögel nach seinen Augen hacken.
Solches Leid wird in vielen Fällen durch die Jagd verhindert.
Und warum sollte die Mode davon nicht profitieren dürfen?
Und wiederum ein Einwand:
Die meisten Nerze (bleiben wir ruhig mal bei diesem Beispiel) werden doch nicht gejagt, sondern in Farmen gehalten, wo ihre Lebensbedingungen katastrophal sind.

Das ist allerdings wahr.
Wie jede Massentierhaltung, so ist auch diese abzulehnen.

Das spricht allerdings nicht gegen die Verarbeitung von Pelzen, die von gejagten Tieren stammen, WENN die betreffende Art dadurch nicht (in bestimmten Gegenden oder generell) ausgerottet wird.
(Obwohl der Artenschutz als letztes Argument durchaus mal einer Überprüfung unterzogen werden sollte, aber das an anderer Stelle).

Bleibt die Ästhetik.
Last, aber keineswegs least, sondern im Gegenteil.
Im Mittelalter war es üblich, daß Kleidungsstücke, in denen Pelz zumindest verarbeitet war, den Körper eng umschmiegten.
So etwas ist heute nicht mehr zu sehen.
Pelze haben heute offenbar nur zwei Funktionen:

1. Den Reichtum der Trägerin anzuzeigen.

2. Die Fettleibigkeit der Trägerin zu verdecken.

Wie ist die Lage des Steigenberger Conti Hansa?

Dieses Hotel im Schloßgarten 7 wirbt für sich mit den Worten:

„Zentrale ruhige Lage“

Ist denn das geschickt?
Der Tourist soll sich offenbar denken:

„Wunderbar! Zentral UND ruhig! Das ist ja optimal!“

Aber wenn er nicht mehrfach gegen den Schrank gelaufen und auf den Kopf gefallen ist, dann denkt er doch eher:

„Von wegen zentral und ruhig. Das klingt ja fast wie: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß.
Nein, beides zugleich ist nicht zu haben.
Denn was zentral liegt, ist von brummendem Verkehr umgeben.
Daraus folgt, daß die Werbung betrügerisch ist.
Also werde ich da ganz gewiß nicht buchen.“

Und wie ist es nun dort tatsächlich?
Weder zentral noch ruhig.

Lüneburg Haus – muß sein!

Das Lüneburg Haus in der Dänischen Straße 22 ist nicht nur für die Oberschicht und die obere Mitelschicht interessant. Sicher, die Weine, die dort angeboten werden, sind von hoher Qualität und haben entsprechende Preise. Aber, Studenten, verzichtet doch mal auf den einen oder anderen Cocktail, der in einer der von Euch bevorzugten Szenekneipen angeboten wird.
Diese Cocktails sind meist nicht besonders wohlschmeckend und außerdem schamlos überteuert.
Also, verzichtet ein paarmal darauf und trinkt statt dessen das gute Jever.
Wenn es das oder ähnlich Gutes aber dort nicht gibt, sondern nur minderwertige und wiederum überteuerte mexikanische oder portugiesische In-Biere, dann bestellt halt Wasser.
Jedenfalls versetzt Euch mehrfacher Verzicht auf Cocktails in die Lage, das Lüneburg Haus aufzusuchen und Euch mal wirklich einen guten Wein, einen also, der es verdient, als Komposition bezeichnet zu werden, zu kaufen.
Wenn dann das Geld noch reicht, kann man daselbst sogar noch gut essen.

Berichte über uralte Menschen im Lokalteil sind oft irreführend

Neulich mal wieder in den Kieler Nachrichten:

„103 Jahre alt und sehr rüstig“

Typisch. Denen fällt wirklich manchmal gar nichts ein (und sie müßten sich ja auch nichts einfallen lassen, sondern einfach nur sagen, wie es ist – oder eben schweigen).
„Rüstig“ – das soll Lob oder Respekt ausdrücken, aber das Gegenteil ist der Fall. Schließlich empfände es ein Sechzigjähriger als Beleidigung, wenn man ihn als rüstig bezeichnen würde – vielleicht sogar ein Achtzigjähriger.
Man könnte natürlich auch mal auf die Idee kommen zuschreiben:

Angela Merkel ist zwar erst fünfzig oder knapp darüber, aber schon rüstig.

Die eigentliche Bedeutung des Wortes vergegenwärtigt man sich kaum.
Für das Leben gerüstet?
Wehrhaft (wie in einer Rüstung steckend)?
Gleichviel. Was ich aber sagen wollte:
Ich habe vor Jahren in einem Pflegeheim in Ellerbek Zivildienst gemacht, und da kam zu einem dreistelligen Geburtstag einer Bewohnerin auch so eine KN-Redakteurin.
Versuchte kurz mit ihr zu sprechen und verzog sich dann wieder.
Am nächsten Tag setzte es tatsächlich einen Artikel über die alte Dame.
Dabei war es der Journalistin noch nicht einmal gelungen, sich den Namen des Heims zu merken (sie schrieb „Pickert“ statt „Petrick“).
Die Überschrift aber lautete, wenn ich mich recht entsinne:

„So ´n Sherry hält mich in Schwung.“

Die annähernd taube, geistig stark verwirrte Dame hatte sich diesen lseserwirksamen Satz ganz gewiß nicht entlocken lassen.
Manchmal kommt es mir so vor, als sei die Presse allzu frei.

Dieser Artikel hat keine Überschrift

Selten so gelogen.
Eine Überschrift hat er schon, aber wenig Inhalt:
Unlängst gelangte der in den USA gefloppte Film Poseidon des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen hierzulande in die Kinos. Und wie lautete da die Überschrift des KN-Artikels?:

Eine Welle blubbernder Ideenlosigkeit

Doch, das dürfte hinhauen. Die Formulierung kommt mir geradezu inspiriert vor.
Aber es ist wahrscheinlich eher Zufall.
Den Film werde ich dennoch sehen, wenn er in dieser Woche noch läuft.
Ein Film von dem höchst sympathischen Wolfgang Petersen mit dem großen Schauspieler Kurt Russell (wenn der auch hier vermutlich vollkommen unterfordert ist) – daran führt kein Weg vorbei.

Einbürgerung mit Riesen-Tam-Tam?

Oder auch Bohei?
Dies schlug jüngst der schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Segner (SPD) vor. Oder, in seinen Worten:

„Eine schlichte Amtshandlung im Büro wird der Bedeutung der Einbürgerung nicht gerecht.“
So zitieren ihn die Kieler Nachrichten.
Was er wünscht, ist ein feierlicher Rahmen, und dahingehend versucht er, die Landräte und Bürgermeister zu instruieren.
Warum aber? Wozu?
Nur wenn man der Meinung ist, man könne stolz darauf sein, deutscher Staatsbürger zu sein, ist das ein Grund zu feiern.
Stolz darauf zu diesem Volk zu gehören, das nur notdürftig und oberflächlich zivilisiert ist?
Das käme mir nicht in den Sinn.

Holstein zeigte beim 0:3 gegen Borussia Dortmund gute Ansätze

Zugegeben, die Temperaturen ließen in der Vorbereitungsphase der neuen Saison kein rasantes Spiel zu, und das Ergebnis spricht auch nicht eben für Holstein.
Aber die taktischen Fortschritte waren doch deutlich.
Hier hat Neubarth wiedrum einiges geleistet:
Sowohl die Raumaufteilung in der Abwehr als auch das Ineinandergreifen der Mannschaftsteile sind deutlich verbessert.
Das macht zuversichtlich.
Ich wüßte nicht, wer Kiel auf dem Weg in die Zweite Liga jetzt noch aufhalten kann.

Steffen Uliezka – zu schlecht für die Europameisterschaft?

Gerade ist der Kieler Steffen Uliezka Deutscher Meister über die 3000 m Hindernis geworden.
In 8:42,06.
Zugegeben, damit kann man international nichts reißen. Und die vom Deutschen Leichtathletik-Verband gesetzte EM-Hürde wurde nicht genommen.
Aber man muß bedenken, daß ein Einundzwanzigjähriger (kurz nach dem Titelgewinn wurde er 22) sein beste Zeit noch vor sich hat.
Und der DLV sollte sich überlegen, ob er die Normen nicht zu hoch setzt.
Experten behaupten bezogen auf manche dieser Normen, sie seien ohne Doping nicht zu erreichen.
Solche Normen also setzt ein Verband, der sich als Vorkämpfer gegen Doping präsentiert.
Die Norm bezieht sich ja schon fast traditionell darauf, ob man mit der betreffenden Zeit/Weite/Höhe eine Chance hätte, den Endkampf zu erreichen.
Aber in Mittel- und Langstreckenrennen ist manches möglich. Viel hängt von der Taktik ab, einiges vom Glück und mitunter nichts von der Bestzeit des Athelten.
Und schließlich wäre es motivierend für den Nachwuchs, wenn in jeder Diszipin wenigstens der Deutsche Meister für internationale Titelkämpfe qualifiziert wäre.
Was Steffen Uliezka betrifft: Den werden wir vielleicht schon bei der nächsten WM sehen.

Was wurde aus verantwortungslosem Radfahrer?

Am vorvergangenen Wochenende kam es auf dem Fördewanderweg am Kitzeberger Strand zu einem Unfall: Ein Radfahrer fuhr eine 86jährige Frau an und beging Fahrerflucht. Armbruch und Hüftprellung waren seitens der Greisin die Folgen des Unfalls (die Kieler Nachrichten berichteten).
Trotz detaillierter Täterbeschreibung gibt es aber noch immer nichts Neues.
Wer hätte anderes erwartet?

Kunstsammlung der Stadtgalerie

Die Stadtgalerie Kiel informiert über ihre aktuelle Ausstellung (Titel: Unsere Kunst – Eure Kunst 2006: Die Kunstsammlung der Stadtgalerie Kiel) in einem Flyer wie folgt:

„Die Kunstsammlung der Stadtgalerie Kiel ist Teil des Kunstbesitzes der Landeshauptstadt Kiel. Dies sind Kunstwerke, die von der Stadt angekauft, in Auftrag gegeben, ihr geschenkt oder vermacht worden sind. Die Stadt ist Eigentümerin dieser Werke.
Nach demokratischem Verständnis sind jedoch eigentlich die Kieler Bürgerinnen und Bürger die Besitzer dieser Werke, oder sie sollten es zumindest sein.“

„Jedoch“ ist gut. Das ist doch kein Gegensatz. Vielmehr sind die Aussagen

„Es handelt sich um Eigentum der Stadt Kiel.“

und

„Es handelt sich um Eigentum der Kielerinnen und Kieler als Bürger.“

bedeutungsidentisch.
Wer sollte denn sonst „die Stadt“ sein?
Ein amorphes Monstrum, von Menschen geschaffen, aber jenseits ihrer Kontrolle? Das ist ja mächtig kafkaesk.

Christliche Propaganda in der Evangelischen Bücherstube

Die Evangelische Bücherstube befindet sich in der Dänischen Straße, dem Filet von Kiel, der Perle der Fördestadt, dem Glanzstück der Landeshauptstadt.
Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Vor dem, was sich da so anheimelnd Stube nennt, muß gewarnt werden.
Der Betreiber des mit allerlei Kinkerlitzchen ausgestatten Ladens scheut nicht vor christlicher Propaganda zurück.
Nicht nur die Bücher zur Lebenshilfe, die er anbietet, sind weihwasserdurchtränkt, nein, er bietet sogar Kinderbücher mit christlichen Inhalten an.
Kinder, diese unschuldigen GescHöpfe, sind bekanntlich noch nicht in der Lage, ideologische Botschaften zu durchschauen und sind daher solchen Normierungsversuchen hilflos ausgeliefert.
Dennoch läßt die Stadt Kiel die Hintermänner dieses Unternehmens gewähren, statt deren Treiben Einhalt zu gebieten.
Und das ist sogar niemandem vorzuwerfen (als dem Gesetzgeber). Denn derzeit gibt es rechtlich keine Möglichkeit, den christlichen Propagandisten, jenen Subjekten also, die aberwitzige Glaubensvorstellungen als die reine Wahrheit verkaufen und schon Kindern Schuldgefühle einimpfen, das Handwerk zu legen.
Vielmehr bleibt diese international operierende Sekte in all ihren dubiosen Aktivitäten unbehelligt.
Ist das Nachlässigkeit?
Oder falsch verstandene Toleranz?
Oder sind sogar staatliche Stellen christlich unterwandert?

Zuviele Deutsche in Heikendorf

Neulich hörte ich, wie eine Bewohnerin Ellerbeks sagte:

„In Gaarden würde ich nicht wohnen. Da sind mir zuviele Türken.“

Was mich betrifft, ich wohne in Heikendorf.
Und was soll ich Euch sagen?
Da ist alles voller Deutscher!
Einer deutscher als der andere!
Es ist zum Knochen kotzen!

Auf Kieler Taxifahrer ist Verlaß

Einige Tage vor dem Halbfinale der Fußball-WM zwischen Italien und Deutschland sprach ich auf einer Taxifahrt mit dem Fahrer, und selbstredend ging es in diesem Gespräch, wie immer in jenen gloriosen Tagen, um Fußball.
Von den Italienern hatte mein Fahrer keine hohe Meinung:

„Wenn der Itaker eins-null führt, dann mauert er bloß noch.“

Ist es nicht herrlich?
Auf Kieler Taxifahrer ist eben Verlaß. Zuverlässig, wie ferngesteuert kommen solche Sätze von diesen Prachtexemplaren der deutschen Unterschicht.
Der Vollständigkeit halber sehen wir uns den Satz näher an:

1. „Itaker“ ist ein übles Schmähwort, bestens geeignet, Gewaltbereite zu enthemmen.

2. Durch die Verwendung der Einzahl („DER Itaker“) werden die Menschen als Individuen ausgeblendet. Das ganze italienische Volk erscheint damit als Feind und düstere Bedrohung.

3. Das 3:0 der Italiener gegen die Ukraine im Viertelfinale, das 2:0 in der Vorrunde gegen Ghana, das 4:1 gegen die Deutschen vor der WM (…) hatten gezeigt, daß die Italiener nicht „bloß mauern“, wenn sie 1:0 führen.
Gegen die Vorurteile eines solchen Pöbelpartikels sind Augenschein, Fakten und Argumente machtlos.

Meint da tatsächlich jemand, die Welt sei zu Gast bei Freunden gewesen?

Sensation in der Stadtbücherei Kiel: ein funktionierender Seifenspender

Es ist tatsächlich wahr. Die Stadtbücherei Kiel (Andreas-Gayk-Straße 31) hat jetzt auf der Herrentoilette einen funktionierenden Seifenspender.
Einen solchen hatte es monatelang nicht gegeben, und die Krankheitserreger konnten sich ungehindert von Mensch zu Buch und Buch zu Mensch ausbreiten.
Nun ist also Schluß mit dieser Freizügigkeit.
Bemerkenswert, wie spendabel die Stadt Kiel ist.
Erstaunlich, daß sich Oberbürgermeisterin Volquartz nicht bei der feierlichen Einweihung des Seifenspenders für die Lokalpresse ablichten ließ.

Und noch eine Neuerung ist zu verzeichnen:
Die Tagespresse ist nunmehr in akzeptabler Form zugänglich.
Jetzt sind die Seiten lediglich zusammengeheftet, damit nichts dureinander gerät und sich niemand etwas herausnimmt.Vorher wurden die Zeitungen so in Holzbügel gepreßt, daß man die Anfänge der Zeilen in den inneren Spalten oft nicht lesen konnte.
Es wird tatsächlich immer besser. Aber wenn andere behaupten, sie würden „auf hohem Niveau jammern“, dann wird man hier entsprechend sagen müssen:
Wir jubeln auf einem Niveau unterhalb des Meeresspiegels.

Libanesen dürfen nicht mehr abgeschoben werden

Seit vergangener Woche gilt in Schleswig-Holstein der Abschiebestopp für Flüchtlinge aus dem Libanon.
Die von Innensenator Stegner verfügte Regelung gilt zunächst für drei Monate.
In Schleswig-Holstein leben derzeit 68 Flüchtlinge aus dem Libanon.
Über den Grund für den Abschiebestopp muß hier wohl niemand aufgeklärt werden.
Ganz anders verhält es sich mit der Frage, warum der Innenminister das darf.
Warum bedarf es in so einem Fall keiner Entscheidung des Parlaments?
Warum muß offenbar nicht einmal der Ministerpräsident konsultiert werden?
Na, jedenfalls hätte sich ein CDU-Innenminister mit so einem Abschiebestopp vermutlich schwerer getan.

KVG – wegen Überfüllung geschlossen

Daß die KVG nur an ihren Profit denkt, das ist bedauerlich, aber nicht verwunderlich.
Schon eher bemerkenswert ist, daß sie ausschließlich an ihre kurzfristigen Gewinne denkt. Weitsicht ist offenbar nicht die Stärke des dortigen Managements, und so riskiert man, daß große Teile der Bevölkerung sich von dem Unternehmen abwenden.

Jüngstes Beispiel (Zitat aus den KN vom 24.7., S. 19):

„Fahrgäste in Friedrichsort haben am Sonnabend Steine gegen einen Bus der Linie 501 geworfen, weil der Fahrer gegen 20.20 Uhr an der Haltestelle an ihnen vorbei gefahren war.“

Das dürfte soweit stimmen, bis auf die Bemerkung, daß die betreffenden Menschen Fahrgäste gewesen seien. Eben das wollten sie sein, konnten es aber nicht werden, weil der Bus überfüllt war. Und daß sich die Frustration dieser Menschen nun in Steinwürfen entlud – hat sich die KVG das nicht selbst zuzuschreiben?
Es war an der Haltestelle Schusterkrug, und es warteten dort noch viele andere Menschen, die nach einem Strandbesuch in Richtung Innenstadt wollten. Ist das etwa eine außergewöhnliche, unvorhersehbare Situation?
Ganz sicher nicht.
Die KVG muß einfach mehr Busse einsetzen.
Ansonsten drohen zwei Konsequenzen:

1. Eskalation der Gewalt (schon in diesem Fall wurde eine Fensterscheibe zerstört. Glücklicherweise kam kein Mensch zu Schaden.)

2. Not macht erfinderisch. Immer mehr Menschen werden sich von der KVG abwenden und ein dichtes Netz von Fahrgemeinschaften schaffen oder ähnliches.

Aber es ist anzunehmen, daß die KVG immer noch keinen Handlungsbedarf sieht.

Alles voller Holländer in der Dänischen Straße

Und das war gut so.
Am Wochenende war holländisches Straßenfast in der Dänischen Straße.
Man konnte sich bei dieser Gelegenheit von der Güte holländischer Spezialitäten überzeugen.
Hier gilt es auch tatsächlich, Vorurteile abzubauen.
Viele Deutsche glauben nämlich immer noch, holländischer Käse – das sei viel Masse, aber wenig Klasse.
Weit gefehlt: Man lasse einen Gouda nur lange genug reifen, dann entwickelt er ein verhalten scharfes, volles, intensives Aroma, das lange nachklingt.
So etwas Edles hatte hier natürlich seinen würdigen Rahmen: in Kiels edelster Einkaufsstraße.

Traumfabrik bietet Frühstücksbuffet

Habe ich überhaupt schon mal erwähnt, daß die Bedienung in der Traumfabrik sehr gut ist?
Fragt jetzt nicht, welche Bedienung – ich meine alle, wie sie da sind.
Wer immer es ist, der die Bedienenden auswählt, beweist ein gutes Auge, ja sogar außergewöhnliche Menschenkenntnis.
Worauf ich aber nun hinweisen möchte:
Jeden Sonntag ab 10.00 Uhr gibt es in der Traumfabrik ein Frühstücksbuffet.
Für 9,50 kann man richtig hinlangen, auch bei den Getränken.
Freilich werden manche sagen, das sei ihnen zu teuer; zumindest zu teuer, um das regelmäßig zu machen.
Mag sein, aber ich will trotzdem darauf hingewiesen haben, denn für das Angebot ist der Preis in Ordnung.
Das Buffet ist eben preiswert im wahren Sinne des Wortes.

Twelve Strings in der Kapelle Nettelsee

Thomas Glatzer und Matthias Wiesenhütter – zwei Männer, zwei Gitarren. Macht zusammen Twelve Strings, und so nennt sich dieses Akustik-Gitarren-Duo. Die beiden komponieren selbst, und ihre Einflüsse dabei sind vielfältig: Jazz, Folk, Tango und vieles mehr verarbeiten sie in ihren Kompositionen.
Nichts also für Menschen mit Scheuklappen.
Alle anderen dürfen sich am 22. Juli um 20.30 Uhr in der Kapelle Nettelsee einfinden.

Jan Hengmith im Lutterbeker

Der Name Jan Hengmith läßt noch nicht die Profession erkennen, denn er will uns durchaus nicht spanisch vorkommen, und dennoch ist der Mann Flamenco-Gitarrist.
Am 22. Juli um 21.00 Uhr bringt er im Lutterbeker zu Gehör, was er selbst ersonnen hat, daneben auch Werke anderer Komponisten. Flamenco scheint hierzulande immer noch Musik für eine kleine Minderheit zu sein.
Daher hört man immer wieder Hinweise, um welche Art Musik es sich hanlde: Flamenco sei nicht Volksmusik, sondern Kunstmusik.
Wer das hört, guckt erstmal ungläubig, aber es ist was dran.
Die Vorläufer des Flamenco waren Volksmusik, aber sie wuchsen über sich hinaus und wurden zu etwas Elaborierten, Komplexen, in einem Wort: zu Kunstmusik.
Nun wird der eine oder andere das alte, triviale Lied singen, es gebe kein U und kein E, sondern nur Gutes und Schlechtes, oder nicht einmal das: es sei alles eine Geschmacksfrage und damit beliebig.
Nun, Fragen des Geschmacks sind durchaus nicht beliebig, und es lassen sich ohne weiteres Kriterien zur Unterscheidung von hoher und niedriger Musik benennen.
Meist wird hier die kompositorische Dichte ins Feld geführt, aber es ist ein Fehler, diese als das einzig Entscheidende zu betrachten. Warum nämlich sollte rhythmische Dichte kein Unterscheidungskriterium sein?
Und wie sieht es mit stilistischer Komplexität aus?
Beides findet sich sonder Zweifel in guter Rockmusik.
Außerdem:
Einfachheit von Musik kann sowohl Ausdruck einer Schlichtheit des Gemüts sein, als auch im Gegenteil Resultat von Abstraktionsprozessen.
Die Grenze zwischen Kunst und Trivialem verläuft also in der Musik nicht zwischen Beethoven und Rock, also nicht zwischen den Gattungen, sondern immer mittendurch (was natürlich auch nahelegt, daß nicht alles im Flamenco Kunst ist).
Ungefähr sechzigjährig, stellte der Dichter Günter Eich Mitte der sechziger Jahre fest:
„Die Kinks … sind so viel besser als die Dave Clark Five.“
Zwei Vertreter der „Beatmusik“, wie man zu jener Zeit sagte. Die damals kommerziell erfolgreichen Kinks gelten heute in aufgeklärten Kreisen als Klassiker, die damals kommerziell erfolgreicheren Dave Clark Five sind vergessen, denn Günter Eich hatte recht.
Seinerzeit betrachteten Menschen seines Alters diese Musik als Bedrohung für die Zivilisation. Diejenigen, die das nicht taten, bildeten eine kleine Minderheit. Aber selbst die meisten unter diesen konnten den Beat nur als triviales Tanzvehikel wahrnehmen, zumal dann, wenn sie, wie Günter Eich, hochgebildet waren.
Dennoch setzte sich in Eichs Kopf Urteilsvermögen gegen Norm durch, und er erkannte die Kunst der Kinks.
Eine solche Urteilskraft ist nur wenigen Menschen gegeben.
Die meisten geistern urteilslos durch die Welt und können daher eben nur zwischen Gattungen unterscheiden. Also bleibt ihnen, wenn sie sich für Kulturmenschen halten, nichts anderes übrig, als sich aus gewissen Gattungsunterschieden Wertunterschiede zu schustern, nein noch nicht einmal das, sondern schustern zu lassen.

So, das waren ein paar grundsätzliche Worte über Kunst und Triviales in der Musik, und nun wünsche ich viel Spaß bei Jan Hengmith, denn Kunst macht eben Spaß.

The Cretins im Deutschlandfunk

Gestern hörte ich zwischen 22 und 23 Uhr den Deutschlandfunk. Es war eine Sendung mit Rockmusik, und der nette Carlo May war am Mikrofon.
Und eben der stellte (wenn auch nur mit einem Song) eine Band aus Kiel vor.
The Cretins nennen die sich offenbar.
Natürlich war ich sofort bereit, die Band großartig zu finden.
Leider war mein Urteil dann doch stärker als diese Bereitschaft (nein, nicht: leider, sondern: glücklicherweise).
Der erste Satz des Cretins Songs lautete:

Nights of Darkness pass me by.

wenn ich mich nicht verhört habe.
Das ließ natürlich schon Schlimmes ahnen.Und so kam es denn auch. Ein bißchen Metal, ein bißchen Power Pop, uninspiriert zu Mainstream vermengt.
Epigonaler Quark.

W:O:A-WarmUp

Am 21. Juli ab 21.00 Uhr in der Pumpe.
Vorbereitung auf Größeres.
Aber es wird schon mächtig zur Sache gehen.
Der ganze Pumpenkeller wird dafür freigeräumt.
Es darf gemosht werden.
(Nennt man das noch so?)
Na, jedenfalls, bangt die Heads, was das Zeug hält!

Pumpe: Haßstraße 22