Verfasst von Huckleberry Drachenzunge - Kategorie: Freizeit und Events
Der Name Jan Hengmith läßt noch nicht die Profession erkennen, denn er will uns durchaus nicht spanisch vorkommen, und dennoch ist der Mann Flamenco-Gitarrist.
Am 22. Juli um 21.00 Uhr bringt er im Lutterbeker zu Gehör, was er selbst ersonnen hat, daneben auch Werke anderer Komponisten. Flamenco scheint hierzulande immer noch Musik für eine kleine Minderheit zu sein.
Daher hört man immer wieder Hinweise, um welche Art Musik es sich hanlde: Flamenco sei nicht Volksmusik, sondern Kunstmusik.
Wer das hört, guckt erstmal ungläubig, aber es ist was dran.
Die Vorläufer des Flamenco waren Volksmusik, aber sie wuchsen über sich hinaus und wurden zu etwas Elaborierten, Komplexen, in einem Wort: zu Kunstmusik.
Nun wird der eine oder andere das alte, triviale Lied singen, es gebe kein U und kein E, sondern nur Gutes und Schlechtes, oder nicht einmal das: es sei alles eine Geschmacksfrage und damit beliebig.
Nun, Fragen des Geschmacks sind durchaus nicht beliebig, und es lassen sich ohne weiteres Kriterien zur Unterscheidung von hoher und niedriger Musik benennen.
Meist wird hier die kompositorische Dichte ins Feld geführt, aber es ist ein Fehler, diese als das einzig Entscheidende zu betrachten. Warum nämlich sollte rhythmische Dichte kein Unterscheidungskriterium sein?
Und wie sieht es mit stilistischer Komplexität aus?
Beides findet sich sonder Zweifel in guter Rockmusik.
Außerdem:
Einfachheit von Musik kann sowohl Ausdruck einer Schlichtheit des Gemüts sein, als auch im Gegenteil Resultat von Abstraktionsprozessen.
Die Grenze zwischen Kunst und Trivialem verläuft also in der Musik nicht zwischen Beethoven und Rock, also nicht zwischen den Gattungen, sondern immer mittendurch (was natürlich auch nahelegt, daß nicht alles im Flamenco Kunst ist).
Ungefähr sechzigjährig, stellte der Dichter Günter Eich Mitte der sechziger Jahre fest:
“Die Kinks … sind so viel besser als die Dave Clark Five.”
Zwei Vertreter der “Beatmusik”, wie man zu jener Zeit sagte. Die damals kommerziell erfolgreichen Kinks gelten heute in aufgeklärten Kreisen als Klassiker, die damals kommerziell erfolgreicheren Dave Clark Five sind vergessen, denn Günter Eich hatte recht.
Seinerzeit betrachteten Menschen seines Alters diese Musik als Bedrohung für die Zivilisation. Diejenigen, die das nicht taten, bildeten eine kleine Minderheit. Aber selbst die meisten unter diesen konnten den Beat nur als triviales Tanzvehikel wahrnehmen, zumal dann, wenn sie, wie Günter Eich, hochgebildet waren.
Dennoch setzte sich in Eichs Kopf Urteilsvermögen gegen Norm durch, und er erkannte die Kunst der Kinks.
Eine solche Urteilskraft ist nur wenigen Menschen gegeben.
Die meisten geistern urteilslos durch die Welt und können daher eben nur zwischen Gattungen unterscheiden. Also bleibt ihnen, wenn sie sich für Kulturmenschen halten, nichts anderes übrig, als sich aus gewissen Gattungsunterschieden Wertunterschiede zu schustern, nein noch nicht einmal das, sondern schustern zu lassen.
So, das waren ein paar grundsätzliche Worte über Kunst und Triviales in der Musik, und nun wünsche ich viel Spaß bei Jan Hengmith, denn Kunst macht eben Spaß.
4 Kommentare »