Es ist schon lange her, daß ich den Film in Hamburg gesehen habe. Vor einiger Zeit ist er auch nach Kiel gekommen.
Schon klar, daß es da immer Probleme mit Verleihern bzw. der Zahl der Kopien gibt.
Aber so eine Verzögerung läßt Kiel noch provinzieller wirken, als es ist.
Schließlich ist das ein besonders vieldiskutierter Film, dem politische Kommentatoren wie Feuilletonisten “politische Sprengkraft” attestieren.
Und Kiel hinkt hinterher. Wird er hier noch diskutiert, ist in Hamburg, Frankfurt, München längst nicht mehr die Rede davon.
Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeiten, in denen Meldungen Tage, Wochen, Monate brauchten, um überall anzukommen.
Sicher, dies ist keine Nachricht, sondern ein Film, dennoch wirkt es altertümlich, daß sich die Kieler so lange gedulden mußten.
Schließlich sind sie bereits vor Monaten, zum Bundesstart eben, von den überregionalen Medien darauf aufmerksam gemacht worden.
Man stelle sich mal vor, Deutschland erreicht das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft …
Wie?
Das sei doch gar nicht möglich?
So wendet Ihr in der Sache zurecht ein, aber stellt es Euch doch nur mal vor.
Soviel Phantasie muß sein.
Und stellt Euch nun weiterhin vor, daß man zwar auch in Kiel über das Spielergebnis orientiert ist (wie ja, wer wollte, auch vorher wissen konnte, worum es in dem Film geht) – aber das Spiel selbst bekommt man nicht live zu sehen, sondern erst Monate später.
So, nun aber zum Film selbst:
George Clooney, der auch eine wesentliche Rolle übernahm, führte Regie.
So sagt man.
Kann er das?
Es gibt recht viele von der Sorte:
Schauspieler, die “ins Regiefach wechseln”.
Obwohl es nichts Schwierigeres gibt als den Beruf des Filmregisseurs: Denn es ist doch offensichtlich, daß man als solcher Poet, bildender Künstler, Psychologe, Organisator, Stratege und Diplomat in einem sein muß.
Wie kommt es, daß das Ergebnis dennoch nicht stümperhaft wirkt, wenn so ein Clooney “Regie führt”?
Die Antwort darauf lieferte einst der Horrorfilm-Regisseur Tony Randall, als er sagte (sinngemäß):
Man braucht keinen Regisseur, um einen Film zu drehen.
Es ist ja genügend Knowhow am Set: Assitant Director, Director of Photography, Beleuchter usw.
Der Regisseur ist aber unter Umständen derjenige, der den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem guten Film ausmacht.
Der Mann hat recht.
Und natürlich ist auch Good Night, and Good Luck nicht gut:
ein Film über die Hatz auf angebliche Kommunisten in der McCarthy-Ära (Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts) und die medialen Wirkungen und Reaktionen, der ungeheuer behutsam, verhalten und – aufgrund des Umstands, daß das Ganze in Schwarzweiß gedreht wurde – edel und authentisch wirken will.
Daß das eigentliche Thema die politisch-mediale Situation in den heutigen USA ist, versteht sich.
Und natürlich hat Clooney mit seiner wohlfeilen Kritik an den Verhältnissen recht.
Aber wie sich hier einer als wackerer Außenseiter inszeniert, das ist schon mächtig aufdringlich.
Es sollte doch sein, daß Kritik an den US-Verhältnissen im Hollywood-Kino keine Ausnahme ist.
Auch Steven Spielbergs Film Krieg der Welten beschreibt die Lage.
Aber eben abstrakt.
Good Night, and Good Luck ist ein leicht faßlicher Film für die ganz Dummen.




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