Archiv für den Monat: Dezember 2005

Sex nach Stünnenplan

So heißt das Stück, das die niederdeutsche Bühne Kiel zu Sylvester gleich zweimal aufführt:
um 15.30 und um 19.00 Uhr, jeweils im Bürgerhaus Kronshagen (Kopperpahler Allee 67-69).
Der Titel klingt schon reichlich versaut, und so sind sie ja auch, die Plattdütschen.
Das Niederdeutsche stirbt aus, ist in den Medien längst verdrängt und wird daher nicht recht ernst genommen.
Deshalb kann man sich auf Niederdeutsch einiges herausnehmen, das, auf Hochdeutsch gesagt, Anstoß erregen würde.
Aber gibt es in Kiel denn überhaupt noch junge Menschen, die das Niederdeutsche von klein auf gelernt haben,
die es sich also nicht erst später aus Interesse wie eine Fremdsprche angeeignet haben?
Das würde mich wundern.
Da fällt mir noch ein Witz ein:
Opa Piepenbrink fällt ins Koma.
Anderntags kommt die Jugendabteilung des örtlichen Trachten- und Volkstumsvereins zu ihm auf die Station und singt das schöne Lied:
Mien Gott, hey kann keyn Plattdütsch mehr, und hey versteiht uns nich.

Abi-Party des Gymnasiums Elmschenhagen

Heute um 20.00 Uhr Abi-Party des Gymnasiums Elmschenhagen im MAX.
Aber sagt mal, was feiert Ihr da eigentlich?
Dass Ihr einander bald nicht mehr sehen müsst?
Dass Ihr Euch demnächst über beide Ohren verschuldet, um in Instituten mit unzureichender bis katastrophaler Ausstattung studieren zu dürfen?
Oder feiert Ihr bereits Eure künftige Arbeitslosigkeit?
Arbeitslos und Spaß dabei?
Na, Ihr werdet Euch wundern.

MAX: Eichhofstraße 1

Verpasst – die Karaoke Night im Irish Pub

In S. Coppolas Film „Lost in Translation“ sind nur wenige gelungene Szenen.
Eine davon zeigt uns einen Japaner, der ausgelassen „God Save the Queen“ von den Sex Pistols singt:

God save the Queen.
She ain‘ t no human being.
There is no future
in England´s dreaming.

Das wirkt bei ihm sehr komisch.
Karaoke hat eben was für sich.
Um so bedauerlicher, das ich die gestrige Karaoke Night im Irish Pub verpasst habe.
(Wer will, kann ja hier Erfahrungsberichte einstellen. Ich bitte darum.)

Irish Pub: Bergstraße 15

Faust im Schauspielhaus

Und zwar der Tragödie erster Teil am 22.12. um 20.00 Uhr.
Tja, der Goethe und das berühmteste Werk der deutschen Literatur.
Das größte ist es nicht eben.
Goethe war niemals inspiriert, sondern nur ein begabter Rhetoriker.
Now get this:

„Ich bin der Geist, der stets verneint.
Und das mit Recht, denn alles, was entsteht,
verdient, daß es zugrunde geht.
Drum besser wär´s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz: das Böse nennt,
mein eigentliches Element.“

Das ist das einzig Große an dem Werk. Den Rest kann man vergessen.

Schauspielhaus: Holtenauer Straße 103

THW Kiel – SC Magdeburg

Am 21.12. um 20.00 Uhr spielt der THW gegen den SC Magdeburg.
Es dürfte eines von höchstens fünf Heimspielen des THW sein, in dem der Sieger nicht schon vorher feststeht, sondern lediglich wahrscheinlich THW heißen wird. Hier darf man also tatsächlich gespannt sein.
Aber das grundsätzliche Problem ist angesprochen:
In den meisten Fällen WEISS man vorher, dass der THW gewinnen wird.
Nun hatte man doch immer gedacht, Ungewissheit sei ein wesentlicher Bestandteil der Faszination des Sports.
Sepp Herberger antwortete einmal auf die Frage eines Journalisten, warum sich Menschen ein Fußballspiel ansehen: „Weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“
THW-Fans aber haben offenbar keine Ungewißheit nötig.
Und sehen können sie ja auch nichts, wenn sie hinten unterm Hallendach sitzen.
Was zieht sie also dennoch in die Ostseehalle?
Wollen sie sich als Teil einer siegestaumelnden Masse feiern?
„Wer wir auch sind, wir bleiben wir“ (Rainer Brandt)?

Essen in der Pumpe

Träger der Pumpe ist bekanntlich die Stadt Kiel.
Wie es scheint, gilt aber für das Restaurant in der Pumpe, dass es, im Unterschied etwa zum Kino, kostendeckend arbeiten muß.
Denn das Preis-Leistungsverhältnis ist in der Tat das, das man auch von privaten Restaurants der unteren Preisklasse kennt.
Dabei ist die Camambert-Flöte schon fast eine Frechheit: drei Scheiben kalten Käses, drum herum Salat, das Ganze in ein Baguette gepresst.
Das ist entschieden kein Genuss.
Und das Bier vom Fass ist, wie fast überall, schlechter als das Flaschenbier (weil man eben längst verlernt hat, wie Bierfässer zu handhaben sind).

Pumpe: Haßstraße 22

Halle 400 präsentiert Torfrock

Und zwar am 20.12. um 19.00 Uhr.

„Bonifatius machte die Taufe wahr
und sprach: `Nun bist Du Christ bis an Dein Grab!`
Rollo sagte `Alles klar`
und trocknete sich ab.“

Männer des Wortes sind es nicht, die so dichten.
Aber sehr komisch ist es schon.
Torfrock ist eine bedeutende Band, und wenn man das in südlichen Teilen Deutschlands nicht zur Kenntnis nimmt, bringt man sich dort um einiges.
Selbst die zur Schau gestellte Affinität der Band zu den Handel treibenden, raubenden, brandschatzenden Nordmännern, Wikinger genannt, wirkt glaubwürdig.

Halle 400: Werftstraße 214

Sparerparty in Böll und Tucholsky

Am 19.12. ab 19.30 Uhr im Böll Sparerparty, Ab 19.30 Uhr im Tucholsky, wo es Kartengetränke zum halben Preis gibt.
Denn Geiz ist geil, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, aber das soll wohl soviel bedeuten wie : Armut macht Spaß.
Also, Armut muß gefeiert werden, und dafür sind Böll und Tucholsky gut.

Böll & Tucholsky in der Bergstraße 17

Das Cinemaxx Kiel stiehlt meine Zeit

Studenten kennen die akademische Viertelstunde:
Findet man im Lehrplan den Eintrag „10.00 c. t.“, (c. t. = cum tempore [mit Zeit]), so bedeutet das, dass die Lehrveranstaltung um 10.15 Uhr beginnt.
An diese Viertelstunde hat man sich auch im Kino gewöhnt: 15 Minuten Werbung, dann geht der Film los.
Nicht so in Kiel:
In der Pumpe ist die angegebene Zeit tatsächlich die Anfangszeit, weil es keine Werbung gibt.
Im Studio sieht man oft nur fünf Minuten Werbung, offenbar weil das Kino nur wenige Werbekunden findet.
Aber immerhin wird auf diese zeitliche Besonderheit ausdrücklich hingewiesen.
Keine Warnung erhält man dagegen im Cinemaxx. Die Viertelstunde ist dort nicht Standard, sondern Minimum.
Das verbraucherfreundliche Vorprogramm wird auch schon mal auf 40 Minuten ausgewalzt.
Da stellt sich die Frage: Darf das sein?
Man erwirbt bzw. verkauft eine Karte und schließt damit einen Vertrag ab.
Ist es dann nicht Vertragsbruch, wenn das Kino erst eine Dreiviertelstunde nach dem angegebenen Zeitpunkt mit der Dienstleistung rausrückt?
Das müsste tatsächlich mal rechtlich überprüft werden.

Qualitätscheck: Speisen in der Traum GmbH

Gemütlich ist es ja in der Traum GmbH.
Und die Bedienung ist immer freundlich.
Was will man mehr?
Die Frage ist keine rhetorische, wie man annehmen könnte, und die Antwort lautet:
Schmackhafte Speisen.
Bislang war ich auch mit dem zu Spachtelnden zufrieden.
Der italienische Salat ist jedenfalls sehr gut, besonders der Lammschinken, der das Zentrum dieser Komposition bildet, in der alles gut aufeinander abgestimmt ist.
Aber nach diesem Treffer will man sich ja nicht blind durch die Karte essen, in der Hoffnung, ähnlich Gutes zu finden.
Daher bitte ich um Kommentare: Was hat Euch dort besonders gut gefallen?
Und was ganz und gar nicht?
Ich bin gespannt.

Traum GmbH: Grasweg 19

Friedrich Merz in der Holstenstraße?

Gestern abend sah ich keinen Geringeren als Friedrich Merz über die Holstenstraße flanieren.
Nun ja, Friedrich Merz sah ich dort nicht.
Das habe ich ja auch nicht gesagt.
Ich habe lediglich gesagt, dass ich dort keinen Geringeren sah.
Wie wäre das auch möglich?

Der neue Cronenberg endlich in Kiel! Nun ja

Mit über einmonatiger Verspätung ist „A History of Violence“, der neue (bzw. also nicht mehr ganz neue) Film des Kanadiers David Cronenberg (Videodrome, Crash) nun auch in Kiel angekommen (na gut, vor über einer Woche). Vermutlich wird er fast den ganzen Dezember über im Traumkino laufen.
In den notorischen Jubel der deutschen Feuilletons werde ich allerdings ganz gewiss nicht einstimmen.
Ein spannungsloser Film über Eros und Thanatos und die Doppelnatur des Menschen ist das.
Weder formal noch inhaltlich Neues.
Und natürlich präsentiert der Regisseur auch hier wieder aufs penetranteste sein vulgäre Morbiditätsobsession.
Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

Wiglaf Droste im Kulturforum

Am 14.12. liest der Publizist Wiglaf Droste im Kulturforum.
Der krötengesichtige Polemiker, der seine Hemmungen mit Coolness zu verdecken sucht, ist in der Tat begabt.
Er gehört zur Minderheit derer unter den Schreibenden, die tatsächlich schreiben können.
Wie auch H. M. Broder.
Warum bloß mussten also ausgerechnet diese beiden eine Fehde starten?
Nun, sie dient wohl beidseitigem Imagegewinn.

Irish Pub in der Bergstraße

Kein Geheimtipp mehr, das Irish Pub in der Bergstraße, aber ich möchte doch mal darauf aufmerksam machen.
Recht große, wenn auch verwinkelte Kneipe mit erdiger Atmosphäre.
Immer wieder Events, etwa Live-Musik, welche rockt, zuweilen auch groovt.
Daneben werden Champions-League-Spiele deutscher und britischer Mannschaften gezeigt.
Man kann sich also die Spiele von Chelsea, Liverpool u. a. ansehen, dabei Briten kennen lernen und seinen Fußball-Englisch-Wortschatz vervollständigen.

Dürrenmatts Physiker im Schauspielhaus – man gönnt uns ja auch sonst nichts

Am 9.12. um 20.00 Uhr wird im Schauspielhaus das berühmte Drama „Die Physiker“ des glücklicherweise längst verstorbenen schweizer Dramatikers Friedrich Dürrenmatt gegeben.
Die Inszenierung wird schon mittelmäßig genug sein.
Das Stück selbst, das wohl sogar das meistgerühmte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum sich nennen darf, ist zwar gut gebaut, aber zäh, sein Autor selbstgefällig und schließlich und endlich denkfaul.
Man sollte doch mal einsehen, dass PETER HACKS um ein Vielfaches größer ist, ja der größte Dramatiker aller Zeiten.
Also führt sie auf, die genialen Werke des großen Zauberers mit Wort & Vers & Argument!:

Eröffnung des indischen Zeitalters (70er-Jahre-Fassung)
Senecas Tod
Fredegunde
Jona
Rosie träumt

(Oder noch besser: Lest sie!)

Leider am Freitag, dem 2.12., in Kiel: die Bloodhound Gang

Die Halle 400 proudly presents: Die Bloodhound Gang, am 2.12. um 21.00 Uhr.
Hocherfolgreicher, vollkommen uninspirierter Rumpelrock für unterbelichtete Pubertierende.
Das einzig Gute daran ist, dass manche Menschen, die des Englischen nicht kundig sind, selig und ahnungslos mitsummen, wenn es etwa heißt:
„You and me, baby, ain´t nothing but mammals.
So let´s do it like they do on the Discovery Channel.“
Was aber, wenn Konzertbesucher der folgenden Aufforderung des Sängers nachkommen und sich dabei des Quetschens nicht enthalten können?:
„Put your hands down my pants, and I bet you´ ll feel nuts.“ (Wortspiel!!)

Richard III. im Schauspielhaus

Noch ein paarmal läuft Shakespeares Richard III. im Schauspielhaus. Gesehen habe ichs nicht. Werde ich auch nicht.
Warum sollte mich interessieren, auf welche Weise irgendein ein mediokrer Regisseur das Werk „zeitgemäß“ verfremdet.
Es gibt kein zeitgemäßes Theater.
Zur kulturellen Grundversorgung müsste ein museales Theater gehören. Das heißt, die Stücke sollten so aufgeführt werden, wie sie ursprünglich konzipiert waren.
Man sollte das Theater konservieren, statt so zu tun, als lebe es noch.