Archiv für den Monat: November 2005

Ausnahmsweise ein Filmtipp: The Descent

Nicht gerade Kiel-spezifisch, der britische Horrorfilm „The Descent“ von Neil Marshall, aber es muss gesagt sein:
Wahrscheinlich haben wir Kieler nur noch heute und morgen Gelegenheit, ihn zu sehen (jeweils 23.00 Uhr, Cinemaxx).
Und man sollte eine dieser Gelegenheiten nutzen, denn „The Descent“ ist einer der höchstens 20 besten Filme aller Zeiten.
Mein Ernst!
Wahnwitzige Kühnheit des Drehbuchs,
höchste Qualität der Inszenierung,
geniale, Gattungsstrukturen neu komponierende, verfremdende Dramaturgie…

Aber jetzt ist Schluss. Dies ist entschieden kein Filmforum.

Das IHK-Gebäude ist ein Meisterwerk

Allenthalben wird über Kieler Bausünden gelästert.
Daher soll hier mal ganz klar und frank festgestellt werden:
Das IHK-Gebäude, entworfen von „Kauffmann Theilig & Partner“, ist ein Meisterwerk, eines der schönsten jüngeren Bauwerke in Deutschland.
Es passt sich vollkommen in die Umgebung ein und ragt doch aufgrund der Genialität seiner Konstruktion heraus.
Man glaubt eine Fata Morgana vor sich zu haben, es scheint zu schweben. Zugleich aber erinnert es an eine zerklüftete Felsformation.
Chaos und Ordnung scheinen sich hier zu durchdringen.

Kieler, geht nicht achtlos an den Schönheiten vorbei, die Euch umgeben!

Rettet den Sex am Strand!

In unmittelbarer Nähe des Cinemaxx befindet sich das mexikanisch sich gebende Kneipenrestaurant El Sombrero.
Dort wird dem Besucher auf Wunsch ein Cocktail verabreicht, der auf den Namen „Sex on the Beach“ hört.
Nun ja, den gibts auch anderswo.
Doch vielleicht nur im Sombrero wird als Alternative „Save Sex on the Beach“ angeboten.
Wie sich denken lässt, ist das das Gleiche in grün, bloß ohne Alkohol.
Was aber bedeutet „Save Sex on the Beach“ in unserer Sprache?
Keineswegs „Sicherer Sex am Strand“, wie wohl einige annehmen werden.
Das wäre „Safe Sex on the Beach“. Ein Drink dieses Namens dürfte auch in anderen Spelunken erhältlich sein.
„Save Sex on the Beach“ dagegen bedeutet „Rettet den Sex am Strand“.
El Sombrero ruft also zum Erregen öffentlichen Ärgernisses auf.
Wie fnden wir denn das?

Heikendorf bleibt plönisch!

In der November-Ausgabe des Veranstaltungskalenders und Anzeigencontainers Kielerleben schreibt einer, der sich Bärmann nennt, das Folgende:
„Bis vor kurzem konnte man Frank Pagelsdorf noch oft in Kiel antreffen. Etwa als Spieler einer Prominentenauswahl bei einem Wohltätigkeitsturnier in Heikendorf …“
Ist das eine beginnende Omnipotenz-Psychose des Redakteurs?
Heute gehört uns Heikendorf, morgen Laboe und übermorgen Riga?
Für Unkundige: Heikendorf ist keineswegs ein Kieler Stadtteil, sondern gehört zum Kreis Plön.

Clauberg und die blauen Jäger

Das Einzelhandelsunternehmen Carl-Erich Clauberg GmbH in der Holstenstraße 24 führt nach eigenem Bekunden Jagd- und Schützenbedarf sowie Solinger Schneidwaren.
Punkt.
Einen wesentlichen Bestandteil des Sortiments bilden, wie aus einer aktuellen Anzeige des Unternehmens in einem Stadtmagazin hervorgeht, Taschenflaschen, im Volksmund Flachmänner genannt.
Nun kann man damit schwerlich schneiden, woraus ich schließen muss, dass das Unternehmen die Flachmänner dem Jagd- und Schützenbedarf zuordnet.
Was aber füllen Schütz und Waidmann in die Taschenflaschen?
Zielwasser?
Wie hochprozentig muss das sein?
Wieviel davon muss der Jägersmann intus haben, um so recht in Schießlaune zu kommen?
Und warum nur fällt mir in diesem Zusammenhang ein Witz des großen holsteinischen Komikers Günther Willumeit ein?:
„Wie konnten Sie diesen Mann bloß erschießen? Er hat Ihnen doch laut und deutlich zugerufen, dass er keine Wildsau ist!“
„Ja, aber ich dachte, das Biest blufft.“

Noch ein Subway

Am 26.11. wird die Eröffnung des neuen Subway im CAP gefeiert, obwohl der Verkauf schon längst läuft.
Ab 21.00 gibt es dazu Live-Musik der Cover-Band Top for Tea. Hier lässt wohl das Niveau des Wortspiels auf die Qualität der Band schließen.
Bleibt nur die Frage: Wozu noch ein weiteres Subway?
Das nächste ist schließlich nur einen Steinwurf entfernt. Und das übernächste einen weiteren. In beiden herrscht meist gähnende Leere. Aber die Betreiber werden wohl von „ganz normalen Anpassungsschwierigkeiten“ sprechen.
Deren Optimismus möchte ich haben.

Kieler Weihnachtsmarkt – muss das sein? — Warum nicht?

Weihnachtszeit, Geschenkezeit resp., wie man in gewissen Zirkeln zu sagen pflegt, Konsumterror hoch zwei.
Da darf angeblich ein zünftiger Weihnachtsmarkt nicht fehlen, und so wird auch in Kiel mit dem Beginn dieses weniger oder vielleicht doch mehr christlich geprägten Essen&Trinken- Events am 21. November die Weihnachtszeit eingeläutet.
Auf dem Holstenplatz, dem Asmus-Bremer-Platz, dem Alfons-Jonas-Platz und dem Alten Markt wird von da an besinnlich gemampft und gebechert, was das Portemonnaie hergibt.
Die Kälte teibt den Punsch rein, der sonst selbstredend ungenießbar wäre.
Aber was bringt Menschen aller Altersgruppen nun tatsächlich dazu, Schnee, Frost und Eis die Stirnhöhle zu bieten, wenn sie es zuhause leidlich gemütlich haben könnten?
Vielleicht denken sie bei der Feier von Jesu Geburt schon an das Ende und versuchen, ein wenig mitzuleiden.
Die Zeiten des Weihnachtsmarktes sind jedenfalls durchaus christlich: Um halbneun ist Schicht.

Ostseehalle zu eng

Der THW Kiel ist für den Handball das, was Bayern München im Fußball ist. Einziger Unterschied: Der THW ist wesentlich sympathischer.
Weniger sympathisch sind die Zustände in der ausgebauten Ostseehalle.
Handball ist kein Sport für 10.000 Zuschauer vor Ort, wenn auch noch wesentlich mehr Interesse daran haben, die Spiele des THW zu sehen.
Die Spielfläche ist einfach zu klein, die Aktionen zu verwinkelt, als dass man sie hinten unterm Hallendach noch würdigen könnte.
Und ist es denn wirklich das Wichtigste, dabei zu sein?
Meiner Auffassung nach ist es die Hauptsache, dass man das Spiel sehen kann, und das ist eben in den hinteren Reihen kaum möglich.
Außerdem ist es vielerorts einfach zu eng. Wer will schon auf einem Sitzplatz den Kopf seines Vordermanns zwischen den Knien haben?

Kieler Kinos – das Gelbe vom Ei?

Für eine Stadt dieser Größe ist Kiel überdurchschnittlich mit Kinos ausgestattet:
Wir haben hier schließlich nicht nur das Cinemaxx und das Neue Studio, sondern darüber hinaus drei weitere Kinos, die das Angebot erheblich bereichern:
Kommunales Kino, Traum-Kino und Brücke.Aber da muss die Kritik schon ansetzen. Die Brücke ist durchaus kein Ohrenschmaus. In ruhigen Dialogszenen ist alles in Ordnung, aber wenn Hintergrundgeräusch (bzw. Soundtrack) und Dialog sich überlagern, versteht man oft gar nichts mehr. Aber es ist wohl davon auszugehen, dass sich daran nichts ändern wird. Man wird auf den Eintrittspreis von 1,50 € verweisen und sagen, dass man dafür keine Top-Qualität erwarten könne.
Tja, und wir hatten schon gedacht, der einzige Nachteil dieses Lichtspielhauses sei es, dass die Filme dort immer erst einige Zeit nachdem sie aus den aktuellen Kinos verschwunden sind gezeigt werden.
Im Neuen Studio dagegen stimmt der Ton. In Studio 3 fühlt man sich sogar wie zuhause.
Aber wer will das schon im Kino?
An das eigene Wohnzimmer erinnert dieser „Saal“ schon deshalb, weil die Leinwand nicht größer zu sein scheint als der Bildschirm eines Fernsehgerätes.
Es ist schon kurios, dass einem eine solche Unzumutbarkeit als Kinoerlebnis angedient wird.
Im Traum-Kino wiederum nützt es nichts, früh zu kommen, um sich die besten Plätze zu sichern, denn es gibt keine guten Plätze. Freie Sicht hat man nur in der ersten Reihe, aber wie in allen anderen Kinos ist es natürlich auch hier ratsam, die erste Reihe zu meiden.
Sitzt man weiter hinten, hat man verlässlich die Köpfe seiner Vorderleute im Bild, weil die hinteren Reihen nicht nach oben versetzt sind.

Fazit: Kommunales Kino, Studio 1+2 sowie Cinemaxx sind in Ordnung, alles andere sollte nur in Notfällen angesteuert werden.

Sicherheitspersonal in CAP und Bergstraße

Ein Wort zum Humanambiente unserer Hauptstätten für abendliche Freizeitgestaltung, CAP und Bergstraße.
Im CAP wie im Bergstraßen-Komplex (so wollen wir das Ganze hier mal nennen) ist das Sicherheitspersonal deutlich und für jedermann sichtbar präsent.
Das ist gut so.
Der wesentliche Unterschied aber ist, dass die CAP-Leute in feinen Zwirn gewandet sind, während das Bergstraßenpersonal recht unterschichthaft daherkommt.
Überhaupt wirken die security guys im CAP beschwichtigend, die in der Bergstraße dagegen herausfordernd.
Man hat den Eindruck, letztere legen es darauf an zu zeigen, was sie können.
Die Betreiber sollten sich klar machen, dass sie die Wahl haben zwischen Eskalation und Deeskalation, und das ist tatsächlich zu einem Gutteil eine Frage der Kleidung und des Gesichtsausdrucks.

Schwarzfahren mit der KVG ?

Das Angebot der KVG könnte besser sein.
Ein Beispiel:
Von Montag bis Donnerstag gibt es täglich drei Nachtbusse, die vom Hauptbahnhof nach Dietrichsdorf fahren. Da fragt man sich doch: Kann denn nicht einer dieser drei Nachtbusse bis nach Laboe durchfahren? Die Nachfrage wäre wohl in ausreichendem Maße vorhanden.
Außerdem sind die Online-Pläne der KVG eine Katastrophe.
Auf der entsprechenden Site für Hamburg muss man nur Ausgangsort und Ziel eingeben, und schon erhält man die optimale Verbindung mit allen relevanten Angaben.
Die KVG dagegen mutet uns auf ihrer Site zu, uns alles mühsam zusammen zu suchen.

Sollte man sich also rächen, indem man schwarz fährt?
Einfach genug wärs.
Folgendermaßen:

Kontrolleur: Ihr Fahrschein, bitte!

Fahrgast: Ich hatte einen, aber ich habe ihn weggeworfen.

Kontrolleur: Verarschen kann ich mich selbst.

Fahrgast: Und darauf können Sie stolz sein, aber ich meine es ernst: Ich habe meinen Fahrschein aus dem Fenster geworfen. Nicht ganz fein vielleicht, derart die Umwelt zu verschmutzen, aber das kann doch wohl nicht Ihre professionelle Sorge sein.

Kontrolleur: Nun lenken Sie mal nicht ab!
Warum in drei Teufels Namen (Angela Merkel, Guido Westerwelle, Friedrich Merz; Anmerkung des
Verfassers) wirft denn jemand seinen Fahrschein weg?

Fahrgast: Ganz einfach. Sehen Sie mal, da vorn steht doch: „Bitte entwerten Sie Ihren Fahrschein direkt nach
Fahrtantritt im Entwerter.“

Kontrolleur: Ja. Und?

Fahrgast: Das habe ich getan. Nun war mein Fahrschein also entwertet, mithin wertlos. Und warum sollte
ich Wertloses weiter mit mir führen?! Das kann doch niemand von mir verlangen.

Kontrolleur: Aber der Wert des Fahrscheins besteht doch darin, dass Sie mir gegenüber Ihre Beförderungsberechtigung nachweisen können.

Fahrgast: So mag es gedacht sein. Aber das ist nichtig, solange die „Bitte entwerten Sie …“-Schilder in den Bussen implizit kategorisch die Wertlosigkeit aller gestempelten Fahrscheine behaupten.

Kontrolleur: Klougschieter!

Fahrgast: Das ist eine Beleidigung, und dafür habe ich jetzt eine Menge Zeugen hier im Bus.
Macht 40 €.
Wenn wir die Justiz einschalten, wirds wahrscheinlich teurer für Sie, und Sie sind ganz schnell Ihren Job los.

Kontrolleur: Also bitte, hier haben Sie das Geld. Demnächst werd ich n Bogen um Sie machen.

Fahrgast: Geht doch alles.

Aber, liebe Leser, derlei wollen wir doch lieber im Bereich der Fiktion lassen.